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Sehr geehrte Damen und Herren,
typische Männer- oder Frauenberufe gibt es nicht! Die Realität des Arbeitsmarktes sieht jedoch so aus, dass bestimmte Berufe männer- oder frauendominiert sind. Entscheidend sind die Hintergründe dieses Phänomens.
Obwohl Frauen nicht weniger gut qualifiziert sind als Männer werden von ihnen häufiger einfache Tätigkeiten ausgeübt. Demgegenüber nehmen Männer häufiger die Aufgaben von Inhabern oder Geschäftsführern wahr. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss werden Männer häufiger in ein Ausbildungsverhältnis übernommen als Frauen, obwohl sich statistisch Frauen im Erwerbsleben häufiger weiterbilden und somit am Ende bessere Qualifikationen aufweisen können.
Umso erstaunlicher ist es, dass trotz einer im Bundesvergleich beeindruckenden Frauenerwerbstätigkeit Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt sechs Prozent weniger Einkommen beziehen als Männer. Im Vergleich mit den Löhnen westdeutscher Männer erhalten Frauen sogar ein Drittel weniger. Aber nicht nur die Lohnunterschiede stimmen nachdenklich. Prekäre Beschäftigung in Thüringen ist überwiegend weiblich! Fast die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen arbeitet in Teilzeit, Leiharbeit oder in Niedriglohnjobs – hingegen nur 14 Prozent der Männer.
Dies hat auch mit der vollkommen überholten Annahme zu tun, es gäbe eben jene Frauen- und Männerberufe. So sind mehr als 80 Prozent aller Beschäftigten in der Sozialwirtschaft Frauen – eine Branche, die fast zur Hälfte auf Teilzeitbeschäftigte setzt und selten Löhne über neun Euro in der Stunde zahlt. In Berufen mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung, die oft besser bezahlt werden, nehmen Frauen hingegen nur einen geringen Anteil ein – trotz positiver Tendenz in den vergangenen Jahren.
In Thüringen fördern wir die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern – weil wir eben nicht von tradierten Vorstellungen geblendet sind. So ist die Förderung eben jener Chancengleichheit festes Kriterium des neuen Thüringer Vergabegesetzes. In der Konzertierten Aktion Thüringen bemühen wir uns mit Gewerkschaften und Verbänden um eine bessere Lohnsituation und die Gleichstellung in den Betrieben. Wir unterstützen Frauen bei ihrer Berufswahl. In der „Thüringer Allianz für Familie und Beruf“, in der das Wirtschaftsministerium federführend ist, setzen wir uns mit dem Sozialministerium, dem Bildungsministerium, der Thüringer Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Arbeitsagentur aktiv für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Auf Initiative dieser Allianz wurden in Thüringen weitere Projekte initiiert, zum Beispiel die Projekte „Kinderbetreung 24“, „FamWork“. „FaBeL“ oder „PAULA“. Spezielle frauenpolitische Ansätze wurden in dem Projektnetzwerk „CORA“ thüringenweit erprobt. Diesen Projektansatz wollen wir weiterentwickeln!
Wir wollen, dass Thüringen weder Niedriglohnland bleibt, noch dass Frauen am Arbeitsmarkt diskriminiert werden! Wir wollen eine Überwindung überkommener Rollenbilder in der Gesellschaft wie im Erwerbsleben. Deshalb begrüße ich die Initiative der Thüringer Koordinierungsstelle Naturwissenschaft und Technik für Schülerinnen, Studentinnen und Absolventinnen außerordentlich. Ich wünsche mir mehr solcher Angebote und mehr qualifizierte Frauen in einst männerdominierten Berufen, gute Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen. Ich wünsche außerdem allen Teilnehmerinnen der kommenden CampusThüringenTour interessante Einblicke in das Geschehen an den Thüringer Hochschulen und vor allem viel Spaß und Begeisterung für die angebotenen Studiengänge!
In diesem Sinne grüßt Sie ganz herzlich Ihr
Matthias Machnig
Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie