Komm, mach MINT, Mädchen!

Mathematik

Die große Unbekannte

Mathematik! Ja gut, das ist eines von vielen Fächern, die man in der Schule belegen muss und von dem man mehr oder auch weniger begeistert ist. Aber steckt hinter Mathematik nicht viel mehr? Wenn du deine Umwelt mal genauer betrachtest, dann wird dir auffallen, dass ohne Mathematik kaum etwas im Alltag funktionieren würde.

Im Laufe eines Tages begegnest du der Mathematik immer wieder. Das fängt bereits beim Aufstehen an, denn das erste was du siehst, sind die Zahlen auf deinem Wecker. Hast du dich müde ins Bad geschleppt und schaltest das Radio an, so erfährst du im Wetterbericht, was dich dort draußen erwartet. Selbst hier versteckt sich bereits die Mathematik, denn Meteorologen treffen ihre Aussagen aufgrund von Beobachtungen physikalischer Vorgänge in der Atmosphäre und der Auswertung von umfangreichem Datenmaterial.

Selbst der Lieblingssong bzw. Musik im Allgemeinen bedient sich der Mathematik, denn was wären Musikstücke ohne den 4/4 Takt oder die CD, auf der sich riesige Mengen von Nullen und Einsen befinden, die physikalische Spannungswerte abbilden und vom CD-Player ausgelesen werden, um letztlich mit Hilfe der Lautsprecher als Klang zu hören sind. Auf dem Weg zur Schule triffst du auf den Nahverkehr, mit seinen Bussen, Straßenbahnen und Zügen. Ihr Einsatz muss bis ins kleinste Detail geplant und aufeinander abgestimmt sein, damit alle Leute pünktlich zur Schule oder zur Arbeit kommen. Sogar die Ampelschaltung basiert auf sekundengenau getakteten Schaltungen.

In der Schule angekommen, begegnet dir Mathematik mit Sicherheit nicht nur in der Mathematikstunde. Denn sogar im Kunstunterricht kommst du an Mathematik nicht vorbei. Was wäre beispielsweise Kunst ohne den berühmten Goldenen Schnitt. Der Mathematiker Euklid hat ihn bereits um 300 v. Chr. beschrieben und er gilt nach wie vor als die ideale Proportion in der Kunst und Architektur.
Künstler wie Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer waren auf der Suche nach den Regeln einer möglichst wirklichkeitsgetreuen Abbildung der Objekte. Im Grunde genommen nichts als Geometrie.

Und auch in unsere Alltagssprache hat sich die Mathematik eingeschlichen. So hast du vielleicht schon einmal von folgenden Redewendungen gehört: „Pi mal Daumen“, „Ein X für ein U vormachen“, „Das macht nach Adam Riese…“ oder auch „Fünfe gerade sein lassen“.

Rund um Mathematik

Frau und Mathe: Ein gutes Paar

Frau und Mathe: Ein gutes Paar

Mädchen und Mathematik, das ist keine Frage der Begabung. Einer Studie von US-Forschern zufolge lösen Schülerinnen Mathe-Aufgaben ähnlich gut wie andere. Vorausgesetzt, ihnen redet niemand eine Mathematikschwäche ein!

Dass Jungen besser rechnen können als Mädchen, ist ein alter Hut von gestern. Zu diesem Schluss kamen die Psychologen der Villanova-Universität in Philadelphia, die zwei internationale Studien mit insgesamt rund 500.000 Schülerinnen und Schülern aus 69 Ländern auswerteten. Mädchen und Mathematik ist eine Mischung, die gut zusammen passt, genauso wie das bei Jungen und Mathe ist. Nationale Unterschiede ergeben sich gerade in Ländern mit ausgeprägter Chancengleichheit der Geschlechter. Hier erzielten die Mädchen bessere Ergebnisse. Je mehr Frauen in dem jeweiligen Land wissenschaftlich tätig waren, umso schwächer waren die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Das Vorurteil von der Unterlegenheit von Frauen in Mathematik bringt sogar einen folgenschweren Effekt mit sich: Wird einem Mathe-Schwäche eingeredet, führt dies fast unweigerlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Anders gesagt: Wenn Mädchen in Mathe genauso ermutigt werden wie Jungs, rechnen sie auch genauso gut. Oder eben anders herum, wie das noch oft in Deutschland der Fall ist.

In Deutschland ergaben sich bei dem Pisa-Test 2006 deutliche Unterschiede: Mädchen waren in Mathe 20 Punkte schlechter als die Jungen, beim Lesen lagen die Mädchen mit 42 Punkten deutlich vorn. In beiden Disziplinen waren die Differenzen deutlich größer als der Durchschnitt aller teilnehmenden Länder. Ihre mathematischen Fähigkeiten bewerten Jungen zudem selbstbewusster. Sie waren motivierter, auch weil sie mehr daran glauben, die Mathe-Kenntnisse später gut gebrauchen zu können. In einem chancengleichen Umfeld kommt dies kaum vor. Vielmehr sind die Unterschiede auf die bekannten Mann-Frau-Klischees hierzulande zurückzuführen, so die Autoren der PISA-Studie.

Im Gespräch: Voraussetzungen zu einem Mathematikstudium

Welche Fähigkeiten sollte man für ein Mathemathikstudium mitbringen? Logisches Denkvermögen und Abstraktionsvermögen sind Voraussetzungen, die man mitbringen sollte. Um ein Mathematikstudium erfolgreich zu absolvieren, ist aber auch ein gehörige Portion Fleiß nötig. Der Stoff der einzelnen Lehrabschnitte baut sehr stark aufeinander auf, und wenn man gewisse Grundlagen zu Beginn verpasst hat, bekommt man später an vielen Stellen Probleme. Wenn man allerdings ein Mathematikstudium erfolgreich absolviert hat, hat man auch bewiesen, dass man sich durchbeißen kann, und das wird von vielen Arbeitgebern geschätzt.

Woran könnte man erkennen, dass Mathematik das richtige Studium wäre? Wenn einem das Fach Mathematik in der Schule leichtgefallen ist und man bereit ist, sich beim Studium noch ein bisschen mehr anzustrengen, kann man ein Mathematikstudium in Betracht ziehen. Für manche Kolleginnen und Kollegen war die Freude am abstrakten Denken und gelungenen Lösungen ein wichtiger Grund für die Studienwahl. Für mich selbst war in erster Linie die Tatsache ausschlaggebend, dass die Mathematik viele nützliche Anwendungen in ganz verschiedenen Gebieten hat und die Berufschancen für Mathematikerinnen und mathematiker dementsprechend sehr gut waren und sind. Ich liebe aber auch die deduktive Herangehensweise der Mathematik. Ob ein Mathematikstudium das Richtige ist, kann man natürlich erst mit Sicherheit sagen, wenn man es ausprobiert hat. Durch die regelmäßigen Übungsaufgaben merkt man aber sehr schnell, ob man den Anforderungen gewachsen ist. Treten Schwierigkeiten auf, sollte man zunächst das Gespräch mit den Lehrkräften suchen und keinesfalls zu schnell aufgeben.

ie ist ein Mathematikstudium aufgebaut? Ab 2010 soll in Deutschland nur noch in Bachelor- und anschließende Master-Studiengänge immatrikuliert werden. Die Konferenz mathematischer Fachbereiche Deutschlands hat Empfehlungen zum Ablauf eines solchen konsekutiven Mathematikstudiums erarbeitet, und diese Empfehlungen werden in der Regel umgesetzt. Auch an der TU Ilmenau, wo bereits seit 2005 in diese neuen Studiengänge immatrikuliert wird, hat man sich von den Empfehlungen leiten lassen. Der Bachelor-Abschluss, der nach 6 Semestern erworben wird, ist der erste berufsqualifizierende Abschluss. Er ermöglicht schon eine Berufstätigkeit, etwa im IT -Bereich. Wir empfehlen aber allen befähigten Studentinnen, ein Masterstudium anzuschließen. Erst der Master-Abschluss entspricht dem bisherigen Diplom. Nach dem Bachelor-Abschluss kann man relativ problemlos an eine andere Universität, auch im Ausland, wechseln. Natürlich wünschen sich die Dozentinnen und Dozenten, dass das Master-Studium ebenfalls auf dem Gebiet der Mathematik erfolgt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, das Studium in einer verwandten Fachrichtung fortzusetzen. Sehr gute mathematische Kenntnisse sind für viele Master-Studiengänge eine solide Ausgangsposition.

Worin unterscheiden sich Bachelor und Masterstudiengang? Im Bachelor-Studiengang werden zunächst wichtige Grundlagen aus der Analysis sowie der linearen Algebra und Geometrie vermittelt. Darauf bauen Fächer der sogenannten Angewandten Mathematik, wie Stochastik, Numerik, Optimierung oder Operations Research, auf. Darüber hinaus gehören Informatik und ein nichtmathematisches Anwendungsfach zum Studienplan. In den beiden letzten Semestern werden anwendungsorientierte Fächer angeboten, um die Absolventen auch auf die Aufnahme einer Berufstätigkeit unmittelbar nach dem Bachelor-Abschluss vorzubereiten. Im 6. Semester ist die Bachelor-Arbeit anzufertigen, für die etwa die Hälfte des Semesters zur Verfügung steht.

Und wie ist nun der anschließende Masterstudiengang aufgebaut? Das Master-Studium dauert in der Regel 4 Semester. Es ist so konzipiert, dass man sich auf einem Gebiet der Mathematik vertiefte Kenntnisse aneignen und gleichzeitig die mathematische Breite ausbauen kann. Das Anwendungsfach wird im Regelfall weitergeführt. In der Vertiefungsrichtung erfolgt die Heranführung an ein aktuelles mathematisches Forschungsgebiet, in dem auch die Masterarbeit angesiedelt ist. Für die Anfertigung der Masterarbeit steht das gesamte letzte Semester zur Verfügung.

In welchen Bereichen kann man mit einem Mathematikabschluss arbeiten? Die Berufsaussichten sind sehr gut. Viele Absolventinnen und Absolventen mathematischer Studiengänge arbeiten im EDV-Bereich oder in Lehre und Forschung an Universitäten, Hochschulen und in Forschungsinstituten. Mathematiker sind zum Beispiel erfolgreich in allen Fakultäten der TU Ilmenau tätig und betreiben Forschung auf dem jeweiligen Gebiet. In den letzten Jahren ist der Anteil der Mathematikerinnen und Mathematiker, die bei Banken und Versicherungen arbeiten, sehr stark angestiegen. Auch bei Unternehmensberatungen schätzt man die Fähigkeit zum strukturellen und analytischen Denken, die im Mathematikstudium trainiert wird. Arbeitsmarktprognosen lassen auch für die Zukunft sehr gute Berufschancen erwarten.

Berufsperspektiven nach dem Studium

Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Mathematikstudiums steht man natürlich vor der Frage, womit man nun sein Geld verdienen möchte. Für Mathematikerinnen und Mathematiker eröffnet sich dabei ein sehr breites Tätigkeitsspektrum, denn sie verfügen über methodische Qualifikation und sind daher in vielen Bereichen einsetzbar.

Sie können in Unternehmen arbeiten, die Produkte und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnik anbieten oder anwenden. Das können Software- und Systemhäuser oder auch Fach- und Serviceabteilungen von verschiedenen Unternehmen sein.

Auch die Forschung und Produktentwicklung in der chemischen Industrie, Logistikunternehmen oder Kredit- und Versicherungsgewerbe bieten Arbeitsplätze. Gerade im Wirtschaftszweig, z. B. bei Versicherungen, Banken, Markt- und Meinungsforschungsinstituten und Unternehmensberatungsfirmen, ist man auf Mathematikerinnen und Mathematiker angewiesen, denn hier werden verstärkt mathematische Verfahren und Methoden zur effizienten Lösung eines Problems gebraucht. Beispielsweise in einer Bank sind nämlich gerade im Bereich Finanzmarktanalyse mathematische Fähigkeiten gefragt, wenn es darum geht, Anlagestrategien zu entwickeln.

Mit einem Abschluss im Studienfach Mathematik kann man aber auch einer Beschäftigung in Ingenieurbüros, der technischen Fachplanung und in der öffentlichen Verwaltung, z. B. bei statistischen Ämtern, nachgehen. In der Forschung und Entwicklung sind sie in öffentlichen wie privaten Forschungsinstituten und in Entwicklungsabteilungen von Unternehmen tätig, z. B. im Maschinenbau, der Biotechnologie und Medizin- oder Fahrzeugtechnik.

Ein spannender Arbeitsgeber ist mit Sicherheit auch eine Luftverkehrsgesellschaft. Hier müssen Einsatzpläne für die Crews und die Flugzeuge erstellt werden. Es geht es vor allem um mathematische Optimierungsverfahren oder auch Wahrscheinlichkeitstheorien und Statistik, wie bei der Vorhersage von Passagierströmen oder für eine optimale Preisgestaltung. Neben der Arbeit in Unternehmen kann man sich aber auch in den bereits beschriebenen Bereichen selbstständig machen.

Natürlich kann man mit einem Mathematikabschluss auch an Hochschulen in der mathematischen Forschung arbeiten. Die meisten, nämlich etwa ein Viertel aller Mathematikstudentinnen bzw. Mathematikstudenten, wählen den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers. Dabei wird unterschieden in Lehramt an berufsbildenden Schulen, an Regelschulen oder an Gymnasien.

Der Verdienst in den einzelnen Bereichen ist natürlich von einigen Faktoren abhängig. So variieren die Gehälter in der Wirtschaft u.a. je nach Branche, Region und möglichem Tarifvertrag. Als Berufseinsteiger kann man ungefähr mit 40.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Fünf Jahre später könnten dies schon ungefähr 55.600 Euro sein.