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Dr. Jutta Panieske-Pasterkamp, Hochschule Nordhausen

Dr. Jutta Panieske-Pasterkamp auf einer SalzhaldeWir reden hier über Erneuerbare Energien und Hochschullehre, Ihre fachliche Heimat sind aber Umwelt und Recycling? In Ihrer Doktorarbeit konnten Sie errechnen, dass die Salzhalden im Südharz noch 1000 Jahre oder länger eine Umwelt-Belastung darstellen können. Wie kommt man zu so einem Ergebnis? 

Genau, die Kalihalden, wären die nicht gewesen, hätte ich sicher einen anderen beruflichen Weg in einer anderen Region Deutschlands eingeschlagen. Diese roten, über 100 m hohen Halden mit schneeweißen Salzkristallen im Sommer und einem herrlichen Ausblick über den Südharz – die hatten es mir richtig angetan. Ich konnte damals in einem großen Forschungsprojekt zur Rekultivierung der Halden mitarbeiten. In einem nachfolgenden Projekt  wurden dann Halden durchbohrt, um  einen Blick ins Innere und „unter“ die Halden zu werfen. Die Ergebnisse dieser Bohrungen, die Sickerwässer aus den Halden und deren chemische Zusammensetzung haben es dann ermöglicht, die Zeit abzuschätzen, die ein Regentropfen braucht, um von der Haldenoberfläche bis ins Grundwasser zu gelangen. Natürliche radioaktive Isotope wie Tritium haben dabei eine wichtige Rolle als Marker im Niederschlag gespielt.  Nun: Das Haldenvolumen war bekannt, die Salzmenge, die vom Regenwasser gelöst werden kann, war bekannt, die Dauer der Versickerung durch den Haldenkörper war bekannt. Alles zusammen, dreidimensional gedacht, ergab das Ergebnis, dass eben in 1000 Jahren nur noch ein kleiner unlöslicher Rest der Halde übrig geblieben wäre. Aber: Das Grundwasser wäre dauerhaft versalzen und damit nicht mehr als Trinkwasser nutzbar. Die Haldenrekultivierung ist der einzige Weg, dies zu verhindern.

 

Dieses Forschungsthema haben Sie 2004 abgeschlossen.  Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich denn jetzt an der FH, fachlich gesehen – neben der Lehre?

Meine Aufgabe ist es, Schülerinnen in den Schulen davon zu überzeugen, wie spannend Technik sein kann. Dazu gehen wir innovative Wege, in dem wir gezielt die Grundschulen ansprechen. In einem Pilotprojekt wollen wir eine Handreichung entwickeln, die dann auch von anderen weitergenutzt werden kann.  Unsere Idee ist die Bildungswende gekoppelt mit der Energiewende, die wir im Rahmen der Schulprogrammarbeit umsetzen wollen. Ziel ist es, den kleinen Forschern von übermorgen klar zu machen, wie wichtig Mathe, Physik und Bio in der weiterführenden Schule wirklich sind. Dazu werden von uns erst mal die Grundschullehrer im Bereich Erneuerbare Energien geschult.  

Außerdem  bin ich Koordinatorin für den Weiterbildungsstudiengang Umwelttechnik und Recycling, der von der Otto Benecke Stiftung e.V. aus Bonn getragen wird. Derzeit lernen 19 ausgebildete Akademiker aus 10 Nationen bei uns neueste Umwelttechnik kennen. Mit mindestens 30 Semesterwochenstunden ist die Weiterbildung auf Hochschulniveau eine echte Herausforderung für unsere Studenten, die zwischen 27 und 50 Jahre alt sind.

 

In Ihrer Freizeit sind Sie häufiger in regenfester Kleidung und in Gummistiefeln anzutreffen, Sie zählen Sonnenstunden und messen Temperaturen und werden manchmal von der Presse aufgelauert und als „Wetterfrosch“ befragt. Scheinbar sind Sie Geographin 24 Stunden am Tag! Gewähren Sie mir doch bitte einen kleinen Blick in Ihr Privatleben?

Ich glaube, da haben sie Recht. Aber es sind eher Wanderschuhe. Mein Privatleben: Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder, der kleine wird im Sommer eingeschult, ich beackere sooft es geht meinen Garten oder gehe mit unseren Hunden spazieren.  Vor drei Jahren habe ich eine Stiftung ins Leben gerufen, die gemeinnützige Arbeit in meinem Wohnort leistet, und unser Stiftungsvermögen sind 90 ha Wald und Wiesen, da gibt es viel zu tun.

 

Wie es aussieht habe Sie im Norden Thüringens eine zweite Heimat gefunden! Das könnte man sicher auch noch sehr vertiefen, aber abschließend will ich noch für eine letzte Frage auf das Technik-Studium zu sprechen kommen: Wen macht ein Studium der Erneuerbaren Energietechnik bzw. der Umwelt- und Recycling-Technik glücklich?

Es macht vor allem die glücklich, die während der Schulzeit Wert auf ihre naturwissenschaftliche Ausbildung gelegt haben. Die haben nämlich in den ersten Semestern sicher weniger schlaflose Lern-Nächte und  Mathe-Crash-Kurse sind so gut vermeidbar. Der Gedanke, etwas positives für die Umwelt zu tun und unseren Energiehunger nachhaltig zu stillen sind aus meiner Sicht zwar wichtig, die Ernüchterung kommt aber spätestens nach zwei Wochen Studium, wenn klar wird, dass die Ausbildung zunächst sehr theorielastig und wenig mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu tun hat. Wer den ersten Studienabschnitt dann hinter sich gebracht hat, wird mit Seminaren und anwendungsbezogenen Themen belohnt und kann sich in Sachen Umweltschutz und nachhaltige Energieversorgung so richtig austoben.

 

Herzlichen Dank für das anregende Gespräch. Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit an der Hochschule und bei Ihren Projekten weiterhin viel Erfolg.



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