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Dipl.-Ing. Anja Schreiber, Hochschule Nordhausen

Der Landwirt von morgen wird zum Energiewirt: In Deutschland erzeugten 2010 bereits rund 6.000 Biogasanlagen Strom, Wärme und Kraftstoff. Bis Ende 2011 sollen noch weitere 800 Anlagen hinzu-kommen. In den Anlagen werden nicht nur Reststoffe von der Gülle bis zum Biomüll zur umwelt-freundlichen Energieerzeugung verwertet, sondern auch Energiepflanzen wie Mais und Schilfgras. Anja Schreiber aus Nordhausen kennt sich mit Biogasanlagen genauestens aus.

Dipl.-Ing. (FH) Anja Schreiber, Fachhochschule Nordhausen

Die Diplom-Ingenieurin Anja Schreiber hat an der Hochschule Nordhausen Flächen- und Stoffrecycling studiert und verfügt über einen weiteren Abschluss im Bereich technischer Umweltschutz. Nach ihrem Studium beschäftigte sie sich unter anderem mit der Entwicklung einer Hochlastbiogasanlage und wirkte an verschiedensten Projekten zum Thema Biogas mit. Momentan ist sie vor allem in der hochschuleigenen Forschungsbiogasanlage der Hochschule Nordhausen anzutreffen. Dort arbeitet sie an einem Projekt zum Thema Biogasanlagen und Gärungsprozesse. Für Technik hat sie sich schon früh begeistern können. Bereits als Kind stand sie in der Werkstatt ihres Vaters und half bei der Autoreparatur. Heute hat ihre vierjährige Tochter ihren Platz eingenommen. Auf handwerkliches Wissen wird in der Familie viel Wert gelegt – ganz nach dem Motto „Selbst ist die Frau“. 

In Kinderbüchern werden Bauernhöfe mit allerlei Tieren und Leuten, mit Traktoren, Heu, Stroh und Mist und den unterschiedlichsten Landmaschinen dargestellt. Muss in dem Kinderbuch der Zukunft dann noch eine Biogas-Anlage hinzugefügt werden?

Das könnte ich mir gut vorstellen. Es gibt heute schon sehr schöne Kinderbücher über den Landwirt und seine Biogasanlage wie z.B. Bauer Hubert und das Geheimnis der Stromkuh. Die Geschichte erzählt von Paula und Leon die von ihrem Freund Bauer Hubert erfahren, dass Kühe nicht nur Milch sondern auch Strom geben. Dass das geht, können beide kaum glauben bis Bauer Hubert ihnen die Biogasanlage zeigt und erklärt.


Sind landwirtschaftliche Betriebe von heute die Energie-Versorger von morgen? Was kann denn eine Biogas-Anlage für einen Energiebeitrag leisten?

Die landwirtschaftlichen Betriebe werden mit Sicherheit nicht die vorrangigen Energieversorger von morgen sein. Jedoch sind Landwirte heute schon nicht nur Landwirte sondern auch Energiewirte. Sie leisten heute und auch zukünftig einen entscheiden Beitrag zur regenerativen Stromerzeugung. Die Energie der Zukunft ist ein Mix aus den verschiedensten erneuerbaren Energien. Die Biomassevergärung ist dabei nur eine Komponente. Im Jahr 2010 waren in Deutschland 6000 Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 2279 MW in Betrieb. Für das Jahr 2011 prognostiziert der Fachverband Biogas e.V. einen Zuwachs von weiteren 800 Anlagen. Dabei produziert eine Biogasanlage mittlerer Größe (ca. 350 kW) so viel Strom, um ca.750 Einfamilienhäuser - zwei Erwachsene, zwei Kinder - das ganze Jahr zu versorgen. Bei der Biogasverstromung im Blockheizkraftwerk (BHKW) fällt als Nebenprodukt Wärme an. Befindet sich in der Nähe der Biogasanlage ein Wärmeabnehmer - z.B. Gewerbegebiet, Wohnbebauung, etc. - kann der Landwirt zusätzliche Gewinne durch den Verkauf der Wärme erzielen.


Wie funktioniert eine solche Anlage überhaupt?

Das Prinzip ist einfach. Als Substrat für die Vergärung kommen hofeigene Gülle und Festmist aller Tierarten sowie nachwachsende Rohstoffe – zum Beispiel Mais-, Getreideganzpflanzen-, Gras- und Zuckerrübensilage – in Frage. Diese werden in der Vorgrube vermischt. Das Gemisch wird anschließend in den Fermenter, das Herzstück der Biogasanlage, gepumpt. Hier wird es durch eine Vielzahl von verschiedenen Bakterien in Biogas umgesetzt. Biogas besteht zu ca. 50-75 % aus Methan, 25-45 % Kohlendioxid 2-7 % Wasser und in Spuren Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefelwasserstoff. Das erzeugte Rohbiogas kann aufgrund seiner biogasspezifischen Inhaltsstoffe in der Regel nicht direkt genutzt werden und muss in unterschiedlichen Reinigungsstufen (Entschwefelung, Trocknung) aufbereitet werden. Erst dann ist eine Verwertung im BHKW möglich. Das ausgegorene Substrat verlässt nach dem Überlaufprinzip den Fermenter, wird im Güllelager gespeichert und im Herbst bzw. Frühjahr vom Landwirt zur Düngung auf die Felder ausgebracht. 



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