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Gloria Valencia, FH Schmalkalden

Gloria Valencia wuchs in Kolumbien auf und absolvierte dort und in Deutschland ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Zurzeit unterrichtet sie die Studierenden der FH Schmalkalden im Fach Spanisch und berichtete uns davon, was ihr besonders an Thüringen gefällt.

Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrem bisherigen Werdegang?

Nach meinem 5-jährigen Studium zur Industrie-Ingenieurin an der Universität in meiner Heimat Kolumbien war ich als Technikerin, Personalleiterin und Buchprüferin für verschiedene Firmen tätig. Dazu muss ich erklären, dass in Kolumbien Ingenieure nicht nur im technischen Bereich eingesetzt werden, sondern auch gern im Personal- und Verwaltungsbereich. Die Stellen als Analytikerin in der Personalabteilung für einen großen Stromversorger und in der lokalen Kommunalverwaltung im Bereich Sozialarbeit haben mir besonders gut gefallen. 

 

Wann haben Sie das Interesse für Ihr Studienfach entdeckt? Welche Voraussetzungen sollten die Schülerinnen für das Studium mitbringen?

Schon in der Schule hat mir Mathematik besonders viel Spaß gemacht. Eigentlich besuchte ich ein pädagogisches Gymnasium. Im letzten Jahr vor dem Abitur stellte uns ein Referent von der Nationalen Uni in Kolumbien diverse Studienprogramme vor. Der Studiengang zum Industrie-Ingenieur hat mich sofort begeistert. Das ist das Richtige für mich. Analytisches Denken und Freude an Naturwissenschaften sind meines Erachtens die wichtigsten Voraussetzungen für dieses Studium.

 

Warum haben Sie sich für ein Studium in Thüringen entschieden? Was macht die FH Schmalkalden für Sie besonders?

Mein Mann ist Original-Thüringer und hat hier einen Handwerksbetrieb. Nach meiner Einreise nach Deutschland kam ich nach Zella-Mehlis und war froh über die Möglichkeit, gleich in der Nähe an der  FH Schmalkalden mein Ingenieurstudium noch einmal in deutscher Sprache zu absolvieren. Etwas anderes kam für mich nicht in Frage, weil mir das einfach am besten gefällt. Ich habe praktisch zweimal dasselbe studiert, einmal auf Spanisch, das zweite Mal auf Deutsch, aber jedesmal mit Begeisterung. 

Ich erhielt an der FH Schmalkalden von Anfang an eine sehr gute persönliche Beratung und in meiner Situation mit zwei kleinen Kindern viel individuelle Unterstützung.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Studium? Was hat Ihnen daran besonders gefallen?

Als ich in Schmalkalden mit dem Studium begann, war ich inmitten der jungen Leute eine etwas ältere Studentin, wurde aber von allen freundlich und offen angenommen. Wir hatten viel Spaß zusammen und ich konnte von ihnen viel über die deutsche Lebensweise und Kultur lernen.

 

Wie hoch war der Frauenanteil in Ihrem Studium(ungefähr)?

Als ich mein Studium 2008 beendete lag der Frauenanteil im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Schmalkalden  bei 14%. In meiner Universität, in Kolumbien betrug  der Frauenanteil im Studiengang Industrieingenieur zu meiner Zeit 49,5 %. Heute ist er mit 44,7% etwas geringer.

 

Was ist Ihr Spezialgebiet?

In Kolumbien schrieb ich eine Diplomarbeit über das Thema Arbeitsschutz und in Schmalkalden im Bereich Qualitätsmanagement und Messtechnik.

 

Wie kann man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?

Seit einigen Jahren unterrichte ich Spanisch für die Studentinnen und Studenten der FH Schmalkalden, was mir sehr gefällt. Der Kontakt zu den jungen Leuten und der Bezug zu den Studienfächern sind mir wichtig. Ich versuche, meine Woche klar zu strukturieren, so dass noch genügend Zeit für die Familie bleibt.

Ich halte aber weiterhin Ausschau nach einer interessanten Stelle als Ingenieurin, weil ich meine Erfahrungen und Kenntnisse gerne in diesem Fachgebiet wieder einsetzen möchte.

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, als Ausgleich zum Arbeitsalltag?

Wir unternehmen viel mit unseren Kindern, zum Beispiel in der Natur und im Sport.

 

Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren?

Beide Kinder sind im Kindergarten, gleich gegenüber von unserem Haus.

In bestimmten Situationen kann mein Mann kurzfristig aushelfen und unterstützt mich, wo er kann.

 

Warum sollten sich Ihrer Meinung nach mehr junge Frauen für ein technisches Studium entscheiden?

Die technischen Fächer sind vielseitiger und interessanter, als Viele denken. Es bestehen unbegründete Vorurteile gegenüber diesen Studiengängen. Sie sind nicht so schwierig, machen auch Spaß und gerade Mädchen haben mit einem technischen Abschluss eine gute berufliche Perspektive für die Zukunft.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Wenn ich eine schwierige Situation habe, denke ich:

„Wer nur an Sonnentagen wandert, kommt nie ans Ziel“ (Chinesisches Sprichwort)

Wenn ich überlege, was das Wichtigste im Leben ist, lautet meine Maxime:  

„Die Dinge sind dazu da, dass man sie benutzt, das Leben zu gewinnen,
 und nicht, dass man das Leben benutzt, um die Dinge zu gewinnen“. (Laotse)