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Marlies Richter, TU Ilmenau

Marlies Richter lebt ihren Traum. Erneuerbare Energie sind ihr Thema. Als Doktorandin im Fachgebiet Leistungselektronik und Steuerungen an der TU Ilmenau beschäftigt sich die Diplom-Ingenieurin und Mutter einer Tochter mit der Regelung von doppelt gespeisten Asynchronmaschinen, die zur Stromerzeugung in Windkraftanlagen eingesetzt werden. Dieses Thema hatte Sie schon während des Studiums in Ilmenau beschäftigt.

Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrem bisherigen Werdegang?

Das Abitur habe ich an der Goetheschule Ilmenau abgeschlossen, nachdem ich dort vier Jahre die mathematisch-naturwissenschaftliche Spezialklasse besucht habe. Im Anschluss habe ich mein Studium an der TU Ilmenau aufgenommen und nach gut 5 Jahren, einem Praktikumsaufenthalt in Dänemark und einem Aufenthalt in Spanien, innerhalb dessen ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, abgeschlossen.

 

Wann haben Sie das Interesse für Ihr Studienfach entdeckt? Welche Voraussetzungen sollte man für das Studium mitbringen?

Für mich war relativ früh klar, dass ich später im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten möchte. Damit war die Auswahl möglicher Studiengänge schon eingeschränkt. Während der Spezialklassenausbildung an der Goetheschule wurde dann klar, dass Elektrotechnik für mich der geeigneteste Studiengang wäre. Für diesen sollte man natürlich technisches Interesse, gute analytische Fähigkeiten und Interesse an Mathematik mitbringen.

 

Warum haben Sie sich für ein Studium in Thüringen entschieden? Was macht die TU Ilmenau für Sie besonders?

Zum einen gibt es an der TU Ilmenau einige Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien. Das war für mich aus fachlicher Sicht sehr wichtig. Zum Anderen ist die Entscheidung für Ilmenau aber auch aus persönlichen Gründen gefallen, da mein Partner zu Beginn meines Studiums bereits hier studierte.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Studium? Was hat Ihnen daran besonders gefallen?

Sehr positiv in Erinnerung habe ich die kleinen Seminargruppen. Im Hauptstudium hatte ich teilweise Vorlesungen mit nur drei Kommilitonen gemeinsam. Das ist sicher einer der größten Vorteile eines E-Technik-Studiums in Ilmenau.

 

Konnten Sie während des Studiums Praktika oder Auslandsaufenthalte absolvieren?

Das Pflichtpraktikum habe ich in Dänemark absolviert. Da es fachlich nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach, habe ich später noch ein zusätzliches Praktikum in Kassel bei SMA durchgeführt. Für die Diplomarbeit hat sich dann die Möglichkeit geboten, sie in Pamplona beim Unternehmen Gamesa Eólica S.A. zu schreiben. Eine Chance, mit der ich nicht gerechnet hatte und die ich zum Glück genutzt habe, denn es war sowohl fachlich als auch allgemein eine super Erfahrung.

 

Wie hoch war der Frauenanteil in Ihrem Studium(ungefähr)?

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, waren von den gut 100 Studienanfängern 10 Frauen. Leider weiß ich nicht, wie die Quote am Ende des Studiums ausgesehen hat, mein subjektiver Eindruck war aber, dass die Abbrecherquote unter den Frauen geringer war.

 

Was ist Ihr Spezialgebiet Thema der Diplom- und Doktorarbeit?

Meine Diplomarbeit habe ich über die Regelung von doppelt-gespeisten Asynchronmaschinen in Windkraftanlagen geschrieben. Auch die Doktorarbeit, die ich zunächst in einem Kooperationsprojekt mit Gamesa Eólica begonnen habe, beschäftigt sich mit diesem Thema.

 

 

Dieses Jahr ist das „Wissenschaftsjahr Energie“. Die Zielvorgabe des Projekte ist die Suche nach der umweltverträglichen und effizienten Nutzung verschiedener Energieträger und neuen Energieformen und Ressourcen. Orientiert sich auch ihr Fachgebiet - Leistungselektronik und Steuerungen in der Elektroenergietechnik- an diesen Zielen?

Da sich die Leistungselektronik mit der Umwandlung von elektrischer Energie beschäftigt, nimmt sie auch im Bereich der erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle ein. Leistungselektronische Schaltungen braucht man z.B. um photovoltaisch erzeugten Gleichstrom in netzkompatiblen Wechselstrom umzuwandeln, um Windkraftanlagen zu regeln, etc. Am FG Leistungselektronik und Steuerungen in der Elektroenergietechnik gibt es daher immer wieder Projekte zu entsprechenden Themen.

 

 

Welche Aufgaben haben Sie als Mitarbeiterin am FG Leistungselektronik und Steuerungen in der Elektroenergietechnik? Wie kann man sich Ihren Berufsalltag vorstellen? 

Meine Doktorarbeit schreibe ich „extern“, finanziert über ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Das heißt, dass ich nicht am Fachgebiet angestellt bin. Somit kann ich mir meine Arbeitszeit sehr frei einteilen. In der Regel nutze ich aber die „normalen“ Arbeitszeiten als Büroarbeitszeit, da für diese Zeit meine Tochter in der Krippe des Studentenwerkes betreut wird. Da ich keine Lehrverpflichtungen habe, besteht meine Arbeit vorwiegend aus Rechnerarbeit (lesen, schreiben, Simulationen).

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, als Ausgleich zum Arbeitsalltag?

Zum einen habe ich durch meine Tochter (und demnächst durch das zweite Kind) automatisch einen guten Ausgleich. Zum anderen singe ich im Kammerchor der TU Ilmenau mit und bin im Verein JugendUnternimmt e.V. aktiv (www.jugendunternimmt.org). Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, den Schülerwettbewerb JugendUnternimmt zunächst in Thüringen und dann bundesweit zu etablieren.

Im letzten Jahr ist noch ein weiteres großes Projekt hinzugekommen: Gemeinsam mit anderen Studenten und Absolventen der TU Ilmenau habe ich das Projekt Solarkraft Ilmenau ins Leben gerufen (www.solarkraft-ilmenau.de). Wir möchten innerhalb dieses Jahres zunächst eine Photovoltaikanlage auf dem Campus oder im Stadtgebiet Ilmenau installieren. Diese soll über Kleindarlehen von Studenten, Hochschulmitarbeitern und interessierten Ilmenauern finanziert werden. Im Moment sind wir in Verhandlungen mit dem Studentenwerk Thüringen über eine Kooperation.

 

Warum sollten sich Ihrer Meinung nach mehr junge Frauen für ein technisches Studium entscheiden?

Weil sie es können :-).

Ich bin der Meinung, dass man sich bei der Wahl seines Studienfaches von seinen Interessen leiten lassen sollte. Nur wenn man sich wirklich für etwas interessiert, wird man erfolgreich sein. Von gängigen Klischees und Sprüchen(„Frauen und Technik“ etc.) sollte man sich dann nicht abhalten lassen! Ein technisches Studium ist – in meinen Augen -  interessant, bietet im späteren Berufsleben Gestaltungsspielraum und nicht zuletzt gute Karrierechancen. Vor der Überzahl an Männern in technischen Studiengängen braucht Frau nach meiner Erfahrung ebenfalls keine Angst zu haben. Ich habe dies zumindest nie als Nachteil oder mich als benachteiligt empfunden.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, aber ich versuche jeden Moment (auch die weniger guten) bewusst wahrzunehmen und möglichst viele Chancen zu nutzen.