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Dr. Jutta Panieske-Pasterkamp, Hochschule Nordhausen

FH NordhausenUnd wie haben Sie zur Technik gefunden? Das liegt ja letztlich für eine Geographin gar nicht so nahe!  Hatten Sie hier ein Schlüsselerlebnis oder beschäftigt man sich im Geographie-Studium auch mit Maschinen, die gewisse Funktionsweisen in der Natur verdeutlichen helfen?

Meine Kollegen in der KUTEC waren allesamt Verfahrenstechniker und haben mir so ihre Sichtweise vermittelt. Technik spielte in meiner Ausbildung bei der Probeentnahme im Feld und im Labor eine Rolle. Mein Schlüsselerlebnis waren eher meine Lehrveranstaltungen an der FH, die sich im Laufe der Jahre an die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung angepasst haben. Die Studierenden fragen nach, warum muss ich als Ingenieur was von Wetter oder Steinen oder Boden verstehen. Also entwickelt man sich, schaut über den eigenen Tellerrand hinaus und stellt die wichtigen Zusammenhänge her.

 

An der Fachhochschule Nordhausen vermitteln Sie als Dozentin in Vorträgen, Vorlesungen und Seminaren die Grundlagen der Geowissenschaften, Sie unterrichten über Geothermie, Meteorologie und nachwachsende Rohstoffe. Was ist Ihnen in der Lehre denn besonders wertvoll zu vermitteln? Was soll bei Ihren Studierenden hängen bleiben?

Die Studierenden sollen in meinen Veranstaltungen lernen, die Ressourcen, die sie „kostenfrei“ von der Natur zur Verfügung gestellt bekommen, zu verstehen und wertzuschätzen. Nur wenn ich diese Grundlagen, also Sonne, Wind und Wärme verstehe, kann ich mir Gedanken über Standortplanungen und effektive und nachhaltige Energieerzeugung machen.

 

Die Vermittlung von Wissen ist sicher ein wichtiger Punkt in der Hochschullehre. Die Hochschulen erkennen aber immer mehr, dass das Studium zu einem recht großen Teil zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Die Beziehung von Dozent/innen und Studierenden spielen hierbei sicher eine herausragende Rolle. Wie verstehen Sie denn Ihre Beziehung zu Ihren Studierenden? Wie füllen Sie das aus?

Meine Beziehung zu den Studierenden – nun ja, ich habe immer eine offene Tür und scheue mich auch nicht in der Mensa das Gespräch zu potentiellen Bachelor-Arbeiten oder Praktika mit den Studierenden in der Warteschlange zu führen. Meine Studierenden  sind die Chefs von morgen, mir ist es daher sehr wichtig, Ihnen zu vermitteln, wie wichtig offene und ehrliche Kommunikation ist – und wie einfach.

 

An Ihrer Arbeitsstätte sind Sie ja auch unmittelbar mit dem Thema Technik konfrontiert. Wie ist denn Ihr Eindruck: Ist das Berufs- und Studienfeld Technik denn wirklich eher was für die Jungs? Sie haben ja einmal in einem Vortrag  mit dem Titel „Patente Frauen – was haben Scheibenwischeranlagen und Geschirrspülmaschinen gemeinsam?“ das Gegenteil zu beweisen versucht! Was sind Ihre Argumente?

Die patenten Frauen – für mich war es richtig spannend, dazu zu recherchieren und es gab einige Aha-Effekte, was Frauen so alles erfunden haben, so z.B. die Streichhölzer oder den Scheibenwischer. Der Hintergrund solcher Erfindungen war doch immer: Das muss anders, besser gehen. Neugierde und Forscherdrang, ich glaube der ist geschlechtsneutral. 

Zurück zu Ihrer Frage: Ich glaube nicht, dass es um „Technik ist eher was für Jungs“ geht, ich glaube eher, dass alleine der Antrieb, Technik zu erlernen, den Mädchen und Frauen seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verloren gegangen ist und auch in der Schule immer weniger gefördert wird. Das ist schade, Technik als Schulfach wäre aus meiner Sicht eine gute Idee.

 

 Wie ist Ihre Erfahrung dann mit den jungen Frauen, die sich trotz dieser negativen Entwicklung für ein technisches Studium entschieden haben?

Unsere Mädchen in den technischen Studiengängen, es sind zwar nur 3 von 10, aber die sind höchst motiviert – und vor allem und gerade dann, wenn sie schon Familie und Nachwuchs haben. Gemeinsam mit unserer Familien- und Gleichstellungsbeauftragten haben wir uns in Nordhausen aber viel einfallen lassen, um vor allem die Mädels während der Studienzeit zu unterstützen. Und das wichtigste aus meiner Sicht ist eben immer – das offene Ohr für alle und alles.